AT THE TABLE

ist eine transkulturelle multimediale Begegnung, die dem Familientisch als zentralem Verhandlungsort jeder Gesellschaft nachspürt.

AT THE TABLE wird seit 2021 realisiert. Seit 2024 besteht eine Kooperation mit Lokstoff! – Theater im öffentlichen Raum Stuttgart. Ausstellungen und Performances fanden beim Düsseldorf Festival, im Nationalmuseum Malta, in Stuttgart, im Forum Velbert und in Excideuil (Fra) statt. Darüber hinaus existiert ein digitaler Ausstellungsraum.

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Lebenslinien fließen um die Tische unserer Familien, sie beginnen oder enden dort – stumme Zeugen so mancher Geschichte. Vierzehn Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher künstlerischer Disziplinen aus Ägypten, Bosnien-Herzegowina, Costa Rica, Deutschland, Griechenland, Iran, Japan, Litauen, der Ukraine, Kirgisistan und Frankreich führen ihren Familientisch vor. Sie spüren den Bruchstellen, den geheimen Codes und offenen Flanken der familiären Verhandlung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten nach. Der Familientisch als Repräsentant für den Alltag und den Festplatz einer Familie ist Lebenszentrum, Versammlungs- und Verhandlungsraum für soziale Prozesse, Rückblicke, Zukunftsszenarien sowie gemeinsame Träumereien. In vierzehn Videoinstallationen entsteht für das Publikum ein Kaleidoskop von Familie in Extremsituationen, die sich mit persönlichen Tragödien, Krieg, Migration, aber auch mit der globalen Pandemie beschäftigen. Der Zuschauer erlebt, wie Familien sich finden und wieder verlieren, Stimmen verstummen, der Familientisch verlassen oder absichtlich zerstört wird. Stühle bleiben leer und werden neu besetzt. In einer Zeit, in der alle Menschen auf dieser Welt die gleichen außergewöhnlichen Erfahrungen machen, sitzen wir an einem einzigen globalen Familientisch, der als biografische Bühne durch persönliche, soziale und kulturelle Eindrücke der letzten siebzig Jahre geprägt wurde.

Seit 2023 wird AT THE TABLE in einer Kooperation mit Lokstoff!-Theater im öffentlichen Raum Stuttgart realisiert.

AT THE TABLE wurde in Excideuil (Frankreich), bei Lokstoff! Theater im öffentlichen Raum Stuttgart, dem Theatermuseum Düsseldorf, im Spazju Kreattiv Valetta (Nationalmuseum Malta) sowie beim Düsseldorf Festival präsentiert und aufgeführt. Das Projekt wächst jährlich mit neuen Künstler*innen. Wir bedanken uns bei der Baden-Württemberg Stiftung, dem Kulturamt der Stadt Stuttgart, dem Innovationsfonds Kunst Baden-Württemberg, der Berthold Leibinger Stiftung, beim Fonds Darstellende Künste, dem Landesbüro Freie Darstellende Künste NRW, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur NRW sowie dem Kulturamt der Stadt Düsseldorf, .

Mit: Amy Frega (Egypt) – Tarabeza Atsushi Watanabe (Japan) – Tell me your emotional scars Matts Johan Leenders (Germany) – Was bleibt Jasmina Musić (Bosnia Herzegovina) – Susret sa odsustvom Bernado San Rafael (Costa Rica) – La camisa Phaedra Pisimisi (Greece) – At the sea Keyvan Sarreshteh (Iran) – A sentence fragment Sander Kang De (Kyrgyzstan)- Family at the table Tomas Kildisius (Lithuania) – Picking red currants Anna Homan (Ukraine) – Empty space Mariia Hryshchenko (Ukraine) „Christmas at war“ Vladyslava Kolsnyk, Olga Melnyk, Zoia Volk Domaskina (Ukraine) – Ukranian Hygge Vladyslav Kalinichenko (Ukraine) – Trinity Alexander Steindorf (Germany) – Lost at home Aurélia Moynot (Frankreich) – The Shelter

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Künstlerische Beteiligte:

Amy Frega – Tarabeza

Amy Frega ist eine ägyptisch-amerikanische Crossover-Sängerin. Sie absolvierte ihren Bachelor of Arts in Musik an der American University in Kairo mit den Schwerpunkten Musiktechnologie und Performance. 2018 begann sie ihren Master in klassischem Gesang an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf. Seit ihrer Zeit in Deutschland ist sie als Jazz-, Pop- und Improvisationsvokalistin aktiv und hat in der Produktion „Jeff Koons“ des Düsseldorfer Schauspielhauses mitgewirkt. Auch in der klassischen Musikszene war sie aktiv und sang in vielen verschiedenen Konzerten, insbesondere beim „Chopin-Festival“, das vom WDR3 ausgestrahlt wurde.

amyfrega.com

Atsushi Watanabe – Tell me your emotional scars

Seit seinem Abschluss an der Universität der Künste in Tokio präsentiert Atsushi Watanabe sozialkritische Kunstwerke, die auf seinen und den Erfahrungen anderer Menschen mit emotionalen Narben und psychischen Fallen basieren. Neben seinen künstlerischen Arbeiten ist Watanabe auch in Fernsehsendungen wie dem Sozialhilfeprogramm „Breakthrough“ (NHK E-Tele, 2016) und „Heart Net TV“ (NHK E-Tele, 2018-2019) aufgetreten und hat Beiträge für Zeitschriften, Zeitungen und Online-Publikationen verfasst. Er hält auch Vorträge zu Themen innerhalb und außerhalb der Kunst. Seit 2016 ist er Mitglied von ARTIST’S GUILD und ist seit 2020 Teilzeitdozent an der Musashino Art University, Tokio.

atsushi-watanabe.jp

Matts Johan Leenders – Was bleibt

Matts Johan Leenders arbeitet als Komponist, musikalischer Leiter, Sounddesigner, Tontechniker oder auf der Bühne als Multiinstrumentalist und Sänger. Darüber hinaus ist Leenders als Chorleiter und Pianist in der Gospelmusik tätig, 2011 erhielt er mit der FH-Bigband den WDR-Jazzpreis in der Kategorie Nachwuchs und 2012 erschien sein erstes Buch „Sound für Videospiele“. Für die Liederabende „Heart of Gold“, „Boys don’t cry and girls just want to have fun“, „I build my time“ und das Musical „Alice“ (alle Regie: André Kaczmarczyk) am Düsseldorfer Schauspielhaus war er als musikalischer Leiter und Komponist verantwortlich. Seit 2015 arbeitet er mit projekt-il zusammen.

johanleenders.de

Jasmina Musić – Susret sa odsustvom 

Jasmina Musić wurde in Banja Luka (heute: Bosnien-Herzegowina) geboren. Sie studierte Schauspiel in Hamburg an der Theaterakademie Hamburg und in Tuzla (Bosnien-Herzegowina), sowie Psychologie in Köln. Von 2014 bis2017 war sie festes Ensemblemitglied am Düsseldorfer Schauspielhaus. Als Gast ist sie am Maxim Gorki Theater in der Produktion „Common Ground“ von Yael Ronen & Ensemble und am Schauspiel Dortmund in „Der goldene Schnitt“ (Regie: Tugsal Mogul) zu sehen. Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit entwickelt sie eigene Performances im öffentlichen Raum, zuletzt im NRW Forum Düsseldorf. Im Jahr 2020 war Jasmina Musić Stipendiatin des Internationalen Forums in Berlin.

Bernado San Rafael – La camisa 

Der Tanz-Performance-Künstler und Choreograf Bernardo San Rafael wurde in Costa Rica geboren. Er studierte am Conservatorio de Música y Artes de la Universidad de Costa Rica und an der École Professionelle Supérieur de la Danse in Montpellier, Frankreich. Nach Engagements an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, dem Theater Dortmund und der Oper Bonn ist er mit eigenen Performanceprojekten im urbanen Raum präsent. Als Dozent wurde er zu Kursen in Istanbul (CATI), Skiathos (ERASMUS), Athen (ECHODRAMA), Freiburg (Bewegungsart) und Düsseldorf (Tanzhaus NRW) eingeladen. Seit 2019 ist Bernardo San Rafael  Mitglied von Lokstoff! – Theater im öffentlichen Raum in Stuttgart.

bernardosanrafael.com

Phaedra Pisimisi – At the sea

Phaedra Pisimisi wurde in Los Angeles geboren und wuchs in Athen auf. Nach ihrem Tanzdiplom an der professionellen Tanzschule „Despoina Gregoriadou“ arbeitete sie als Performerin und Choreografin in verschiedenen Tanzkompanien in Athen. Im Jahr 2009 schloss sie ihren Bachelor in Pädagogik an der Universität Athen ab. Seit 2011 lebt sie in Deutschland, wo sie als Performerin und Choreografin unter anderem an der Deutschen Oper am Rhein, am Theater Bonn und regelmäßig am Düsseldorfer Schauspielhaus arbeitet. Parallel dazu ist sie Choreografin der Athener „Echodrama Cultural Group“ und leitet als solche internationale Austauschprojekte zwischen Griechenland, Frankreich und Deutschland.

Keyvan Sarreshteh – A sentence fragment

Keyvan Sarreshteh ist ein multidisziplinärer Künstler mit Sitz in Teheran. Er schloss sein Studium des Puppentheaters an der Universität Teheran mit einem Bachelor of.Arts ab und arbeitet seitdem als Autor, Performer, Regisseur, Forscher, Übersetzer und Dozent. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Erinnerung, Raum und Ort und dem Zusammenhang zwischen diesen drei Themen und zwischenmenschlichen Beziehungen und politischen Kräften. Seine Arbeiten wurden auf vielen lokalen und internationalen Festivals gezeigt. Mit seiner Solo-Performance „Apartment“ wurde er zu den Wiener Festwochen 2019 eingeladen.

instagram.com/keyvansa/

Sander Kang De

Sander Kang De stammt aus Bischkek in Kirgisistan. Er ist dort als Mitglied einer ethnischen und religiösen Minderheit in einem islamisch geprägten, aber auch von der sowjetischen Kultur beeinflussten Land aufgewachsen. Er hat in Moskau Filmregie studiert und lebt seit 2019 in Deutschland. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Fragen zur Selbstverwirklichung des menschlichen Individuums im Rahmen gesellschaftlicher Konventionen, Vorurteile und kultureller Normen. Seine Geschichten speisen sich aus persönlichen Erfahrungen im Engagement für marginalisierte Gruppen, wie Obdachlose, der LGBTQ-Community sowie für Opfer häuslicher Gewalt und der Motivation, einer künstlerischen Vision im Angesicht existenzieller und gesellschaftlicher Hindernisse zu folgen.

Tomas Kildisius (Lithuania) – Picking red currants

Der gebürtige Litauer war schon während seiner Schulzeit von Musik umgeben. In seiner Heimatstadt Molėtai sang er in sechs verschiedenen Chören und Ensembles. Im Alter von dreizehn Jahren stand er erstmals als Solist auf der Bühne. Nach dem Gewinn eines nationalen Jugendgesangswettbewerbs beschloss er, klassischen Gesang zu studieren und begann 2014 sein Studium – zunächst an der Litauischen Akademie für Musik und Theater, später an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Prof. Konrad Jarnot. Als Opernsänger stand Tomas bereits am Theater Krefeld-Mönchengladbach und an der Deutschen Oper am Rhein auf der Bühne. Er wurde mit den Uraufführungen im Liedrepertoire (R. Holls „Mein Gebet“, D. Shchukins „Königskind“) sowie im Musiktheater („Paradise NOW!“ und „O ihr, Menschen“ von W. Abendroth) betraut.

Anna Homan (Ukraine) – Empty space

Anna ist eine ukrainische Künstlerin, die ihren Weg zum Leben durch Film, Theater, Fotografie und mehr sucht. Sie studierte Filmregie an der Kiewer Karpenko Kariy Universität, lebte und arbeitete bis zum Beginn des Krieges in der Hauptstadt. Nun hat sie in Berlin ihr zeitliches Zuhause gefunden. Annas Kunst besteht aus Reflexionen innerer Gedanken über die Realität / Vergangenheit / Dokumentation und die Zukunft, die jetzt unerträglich fragwürdig ist. 

Mariia Hryshchenko (Ukraine) „Christmas at war“

Mariia Hryshchenko ist eine Sängerin, Schauspielerin und anerkannte Künstlerin der Ukraine, die seit 27 Jahren am Nationaltheater in der Stadt Sumy tätig ist. Nach dem Kriegsbeginn am 24. März kam Mariia Hryshchenko mit ihrer Tochter nach Stuttgart, Deutschland.  In Stuttgart trat sie bei Wohltätigkeitskonzerten und einer Theaterproduktion auf, leistet ehrenamtliche Arbeit und gibt ukrainischen Kindern im Jugendzentrum Stuttgart Gesangsunterricht.

Vladyslav Kalinichenko (Ukraine) – Trinity

Vladyslav Kalinichenko wurde 1989 in Sumy geboren und kam schon während seiner Schulzeit mit Tanz und Theater in Berührung. Nach Abschluss seines Theaterstudiums an der Staatlichen Kulturakademie in Charkiw begann er am Nationalen Akademischen Theater für Drama und Musikalische Komödie in Sumy zu arbeiten. Heute arbeitet er dort als leitender Theaterdirektor.

Vladyslava Kolsnyk, Olga Melnyk, Zoia Volk Domaskina (Ukraine) – Ukranian Hygge

Olga Melnyk wurde in der Stadt Charkiw, Ukraine, geboren. Von 2005 bis 2015 war sie Teil des Privattheaters Vinora in Charkiw, wo sie in verschiedenen Jahren als Schauspielerin, Produzentin und Intendantin auftrat. Seit 2019 lebt sie in Deutschland. Sie arbeitet an der Filmakademie Baden-Württemberg im Casting-Büro. Parallel dazu macht sie eigene Projekte im Kino und Theater als Schauspielerin und Regisseurin.

Zoia Volk (geb. Domaskina) ist Filmemacherin, Multimedia-Künstlerin und Absolventin der Hochschule der Medien in Stuttgart im Bereich audiovisuelle Medien in Deutschland. Davor absolvierte sie einen Master-Abschluss in Journalismus an der NAU Ukraine und arbeitete als Journalistin für das Magazin K9.

Alexander Steindorf (Germany) – Lost at home

Alexander Steindorf lebt als Schauspieler, Regisseur und Autor in Düsseldorf. Er hat vor allem als Schauspieler am Deutschen Nationaltheater Weimar und am Düsseldorfer Schauspielhaus gearbeitet. Im Jahr 2015 wurde er mit dem Gustaf-Theaterpreis als bester Schauspieler des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf ausgezeichnet. Er ist Mitbegründer des Theaterkollektivs projekt-il und auch in anderen freien Künstlergruppen wie Lokstoff!, Piérre.Vers oder Kainkollektiv aktiv. Im Rahmen der Gruppe projekt-il war er an der Initiierung und Realisierung von interdisziplinären Bühnenprojekten am Düsseldorfer Schauspielhaus, am FFT Düsseldorf und am Nationaltheater Weimar beteiligt.

Aurélia Moynot (France) – The Shelter

Nach einer künstlerischen Ausbildung an der Schule Met de Penninghen (Paris, ein Jahr) und anschließend an der Haute École des Arts du Rhin (Straßburg, fünf Jahre) begann ich zunächst mit Illustrationen und einigen Kinderbüchern. Da ich schon immer in drei Dimensionen gearbeitet habe und es liebte, Figuren zu erschaffen und Geschichten zu erzählen, führte mich mein Weg ab 2011 ganz natürlich zum Marionettentheater und zur Szenografie. Zeichnen, Malen, Gravur und Skulptur bleiben weiterhin Teil meiner täglichen Arbeit mit den Marionetten und bereichern sich gegenseitig.

Amy Frega (Egypt) – Tarabeza

„Tarabeza“ bedeutet „Tisch“ auf Ägyptisch-Arabisch. Ihre gleichnamige Videoarbeit beschreibt in Amy Fregas Worten „die Geschichte, wie ich zum Schluss allein am Esstisch saß“. Wir sehen zu Beginn des Vidoes ein gemeinsames Essen der Familie Frega – Amy und ihre Eltern-  in Kairo, im Hintergrund der Fernseher, auf dem alte ägyptische Schwarz-Weiß-Filme laufen. Im weiteren Verlauf wechseln sich opulente, fantastisch anmutende Rückblenden mit dokumentarischen Bildern ab. Die Künstlerin erzählt darin die Geschichte ihrer Familie: Von einem Grundstück, das ihre Eltern vor einigen Jahren gekauft haben. Dieses Haus, ein Stück Land mitten im Nirgendwo, in dem die Töchter, ihre Eltern, künftige Ehemänner und Kinder eines Tages zusammenleben sollten. Doch dann, im Jahr 2011, begann die Revolution. Im Land herrschte Unsicherheit und Instabilität. Zu dieser Zeit stand alles still, auch die Bauarbeiten an dem Gebäude. In den folgenden Jahren kehrte ein gewisses Maß an Normalität in den Alltag zurück, aber der Zauber des gemeinsamen Hauses in der Wüste war verschwunden. Die Töchter wuchsen auf, verließen Ägypten, die Familie lebt mittlerweile in drei verschiedenen Ländern auf drei verschiedenen Kontinenten.  Eine Szene des Videos zeigt die Künstlerin an einem Tisch in diesem Gebäude, das immer noch eine Baustelle ist, eine andere Szene die Mutter am gleichen Tisch. Ein gemeinsames Essen wird dort nicht stattfinden. So zeigt Amy Frega mit „Tarabeza“ eindrucksvoll die Schwierigkeiten, die politische Einflüsse auf das Leben einer Familie und ihren Traum von einer gemeinsamen Zukunft haben.

Atsushi Watanabe (Japan) – Tell me your emotional scars

Atsushi Watanabes Video „Tell me your emotional scars“ zeigt die Dokumentation einer Kunstaktion, die auf der Grundlage anonymer Geschichten, die der Künstler online gesammelt hat, entstanden ist. Watanabe beschreibt Japan als ein Land, das viele karōshi (Tod durch Überarbeitung) und hikikomori (Selbstisolation zu Hause) hervorgebracht hat. Watanabe selbst lebte mehrere Jahre lang als Hikikomori. In Japan gibt es zudem seit jeher den volkstümliche Glauben an kegare (Unreinheit), bei dem Sünde, Blut und Unglücksfälle wie Tod und Krankheit – so auch das Corona-Virus – versteckt und als Unglück angesehen werden. Watanabes Videoarbeit setzt sich mit den Geschichten genau dieser als „unrein“ angesehenen Menschen auseinander. In einer Zeit, in der die Menschen es aus Angst vor dem Virus vermeiden, zusammenzukommen, neigen wir dazu, den Schmerz der anderen nicht mehr wahrzunehmen. In „Tell me your emotional scars“  sehen die am Tisch versammelten Menschen den Schmerz derer, die ihre „Narben“  geteilt haben, direkt an und teilen ihn, indem sie miteinander über die Geständnisse und ihre Auswirkungen auf die Anwesenden sprechen. Dies geschieht jedoch nicht in der direkten Auseinandersetzung, sondern über einen Transfer, der die Anonymisierung zulässt: In dem Video sehen wir einen großen runden Tisch, an dem Menschen zusammenkommen. Jede*r überträgt eines der kurzen anonymen Geständnisse der „Abwesenden“ – die von Watanabe vorher gesammelten anonymen Geständnisse – auf eine Betontafel. Diese Platte wird dann von den Teilnehmenden mit einem Hammer zertrümmert und anschließend mit Kintsugi repariert, einer traditionellen japanischen Töpfertechnik, bei der zerbrochene Gefäße mit Lack und Gold repariert werden und dadurch der vermeintliche Makel, die Bruchlinie, mit Gold besonders hervorgehoben wird.

Matts Johan Leenders (Germany) – Was bleibt

Matts Johan Leenders lädt uns ein an seinen eigenen Familientisch. Wir teilen mit ihm die Perspektive des Kindes in der Konstruktion einer west-deutschen Kleinfamilie und sind zugleich Zuschauer*innen und Beteiligte in den Konflikten dieser sehr persönlichen Familiengeschichte. „Was bleibt“ nimmt uns mit auf eine Reise von zunächst sehr konkret erscheinenden Situationen am Tisch der Familie hin zu immer abstrakter werdenden Bildern und Monologen. Auf ein simples Frühstück folgt eine politische Diskussion; der Versuch, Klavier zu üben, wird abgelöst von einem Tribunal über die Verfehlungen des Kindes. Dabei verbindet Matts Johan Leenders die Mittel des Live-Hörspiels mit Loops und Musik und schafft durch die akustische Verortung der Personen am Tisch eine hörbare Perspektive für das Publikum. Während uns die Figuren der Eltern von beiden Seiten aus den Kopfhörern bedrängen, bleibt das Kind immer im akustischen Mittelpunkt, auch wenn es zusehends im Verlauf der Handlung zu verschwinden droht. Als letztlich nacheinander beide Eltern auf unterschiedliche Art und Weise sterben und wir damit – der akustischen Breite beraubt – allein mit dem Künstler im Zentrum zurückbleiben, stellen wir uns als Zuschauer*innen unwillkürlich dieselbe Frage wie Leenders schon im Titel seiner Arbeit: Was bleibt?

Jasmina Musić (Bosnia Herzegovina) – Susret sa odsustvom

In ihrer Videoarbeit „Susret sa odsustvom“ sehen wir die Künstlerin einen Tisch decken und hören sie dabei viele Männernamen aufzählen. Keiner der Männer, die diese Namen tragen, ist mehr am Leben. Viele gehörten zu ihrer eigenen Familie. Der Tisch wird von der Künstlerin mit weißen Servietten bedeckt. Die Künstlerin erzählt ihre eigene Geschichte der Kindheit, die von Flucht und Vertreibung geprägt war. Was hat der damalige Völkermord in Srebrenica und Prijedor mit ihr und ihrer Familie zu tun? Wie erinnert sie sich? Und weiter: Wie könnte ein interdisziplinäres und multinationales Gedächtnis aussehen? Wichtig für ihre Arbeit und zentrale Frage in ihrer Arbeit für dieses Projekt ist immer wieder die Selbstbefragung: Wie geht sie selbst mit ihrer eigenen künstlerischen und moralischen Verantwortung um, der Verantwortung gegenüber ihrer eigenen Geschichte, dem Ort, von dem sie und ihre Familie vertrieben wurden, gegenüber den Gebeinen der Menschen, die dort noch immer unauffindbar liegen und allen anderen Menschen auf der Welt, denen Ähnliches widerfahren ist. Was ist die Erinnerung, die kollektiv in die heutige Generation gepflanzt wurde? Und wie wird die nächste Generation mit ihr umgehen?

Bernado San Rafael (Costa Rica) – La camisa

La camisa („Das Hemd“) zeigt eine costaricanische Familie, die an zwei verschiedenen Tischen sitzt, die über 10.000 Kilometer voneinander entfernt sind: Die Familie des Künstlers in Costa Rica auf der einen, San Rafael, der mittlerweile in Deutschland und der Schweiz lebt, auf der anderen. Die Frage des Künstlers lautet: Ist eine Familie wirklich unzerstörbar? Seine Arbeit ist eine Reflexion über die Krankheit innerhalb der Familie des Künstlers und die Auswirkungen auf die Stabilität seiner Familie. Das Video beginnt mit einem Frühstück, das per Videokonferenz in Costa Rica und in Deutschland gemeinsam zubereitet und gegessen wird. Es wird gelacht und gemeinsam Kaffee getrunken. Kaffee spielt eine große Rolle in der Familie. Die Familie spricht darüber, dass man in Costa Rica nie über Probleme am Esstisch spricht, weil das Essen sonst nicht schmeckt. So ist es in Costa Rica ein unausgesprochenes Gesetz. Im weiteren Verlauf des Videos stellt der Künstler die Frage, ob diese unausgesprochenen Dinge zur Spaltung einer Familie führen können. Er verlässt den Tisch und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch ganz Deutschland und die Schweiz, von der Ostsee über die Alpen bis an den Zürichsee. Eine Reise, die in Costa Rica enden und ihn zu seinen Wurzeln zurückbringen wird.

Phaedra Pisimisi (Greece) – At the sea

Am Anfang des Videos sieht man die Künstlerin allein in ihrer Küche an einem leeren Tisch. An die Küchenwand ist eine Videoprojektion ihrer Familie geworfen, auf der wir einen Tisch inmitten der Wellen an einem Strand sehen. Nach und nach versammeln sich die Mitglieder der Familie um den Tisch: Mutter, Vater, zwei Schwestern und ein kleiner Junge. Sie schauen sich an, tanzen miteinander und verlassen den Tisch wieder, eine*r nach der/dem anderen. „At the sea“ erzählt von Distanz und Trennung. Für sie und ihre Familie gab es nie so etwas wie „Mittagszeit“ oder „Abendbrotzeit“. Sie hatten in ihrer Wohnung in Athen einen Tisch, auf den sie die Zeitungen legten, und manchmal die Lautsprecher zum Tanzen. Sie und ihre Schwester wuchsen mit dem Essen in der Tanzschule der Familie auf. Die Familie isst nur dann gemeinsam, wenn ein Mitglied der Familie am nächsten Morgen verreist. Gemeinsam essen bedeutet Trennung. Zusammensein bedeutet, dass eine Trennung bevorsteht. Sie haben fast nie alle zusammen in einem Land gelebt. Trotzdem oder gerade deshalb beschreibt sie, dass die Familie zusammenhängt wie die fünf Finger einer Hand. Vor jeder Abreise, vor jedem Wechsel, vor jedem „Ruf uns an, wenn du angekommen bist“, ein Zusammenkommen am Tisch. Am Meer.

Keyvan Sarreshteh (Iran) – A sentence fragment

„Ein Satzfragment ist eine Gruppe von Wörtern, die wie ein Satz aussehen, aber eigentlich kein vollständiger Satz sind. Bei einem Satzfragmenten fehlt in der Regel ein Subjekt oder ein Verb, oder es drückt keinen vollständigen Gedanken aus. Ein Satzfragment kann zwar so interpunktiert sein, dass es wie ein vollständiger Satz aussieht, kann aber nicht für sich allein stehen.“ (Website der Universität von Arizona)

Keyvan Sarreshteh beschreibt in seinem Video – eigentlich sind es vier Videos, die den Bildschirm in vier Teile unterteilen, jeder Bildschirm entwickelt einen eigenen Zugang zum Thema – seine Angst vor dem Verlust von Erinnerungen, die mit seinem Familientisch verbunden sind, als seine Eltern den Familientisch vor einigen Jahren verkauften. Mit dem Verlust des realen Objekts beschreibt der Künstler die Befürchtung, dass er die Verbindung zur Erinnerung selbst verlieren könnte – sein Kunstwerk ist also eine fragmentierte Reflexion über die Art und Weise, wie wir alle unsere Erinnerungen aufbewahren. Gleichzeitig reflektiert er über seinen Kampf, dieses Kunstwerk zu schaffen. Sein Video ist im Wesentlichen fragmentiert, denn die Geschichte, die er suchte, existiert nicht. Es gibt nur Bilder, Geräusche, Menschen, Gegenstände, Gefühle, Worte, Haltungen, die in der Zeit schweben, und so sehr er sich auch abmüht, er beschreibt die Situation so, dass er sie nicht wieder in die richtige Reihenfolge bringen kann, dass er keinen in sich geschlossenen Teil findet, den er herausschneiden könnte. Die Geschichten sind so miteinander verwoben, das Netz ist so komplex, dass er nun weiß, dass die gesuchte Handlung für immer unerreichbar bleiben wird.

Sander Kang De (Kyrgyzstan)- Family at the table

In seinem Stück „Familie am Tisch“ sehen wir ein Familienessen, bei dem ein kleines Mädchen mit blonden Pferdeschwänzen nicht aufhören kann, Fragen über eine abwesende Person zu stellen. Der Kernpunkt ihrer Fragen ist klar: „Ist Natascha ein Junge oder ein Mädchen?“. Endlich kommt das Familienmitglied, über das gesprochen wurde, an den Tisch. Die Person hat sich die Haare geschnitten und ist wie ein junger Mann gekleidet. Die Situation eskaliert. Die Mutter vertreibt das Kind vom Tisch, während der Tisch in tausend Stücke zerbricht. Die Frage nach dem Motiv der Mutter begleitet den Filmemacher Sander Kang De schon sein ganzes Leben. Ist es die Angst der Mutter, dass ihre eigenen Träume für ihr Kind nicht in Erfüllung gehen werden? Ist es ihre Wut, weil ihr Kind nicht so ist, wie es sein sollte – wie die Gesellschaft es will? Angst und Wut, dass vielleicht die Mutter selbst und die ganze Familie nicht an dem teilhaben, was kommen wird? Ein Mann bleibt, wie er ist, aber die Mutter vertreibt das Kind von ihrem Tisch. Sie oder er ist nicht mehr willkommen. Und so zerbricht der Tisch. Nur Scherben bleiben übrig, scharf und schneidend. Scherben, die in einer surrealen Szene zu einem neuen Tisch zusammengesetzt werden. Das Leben geht weiter. Die junge Frau wird zum Mann und gründet ihre eigene Familie. Wie er es sich immer gewünscht hat. Nicht mehr und nicht weniger. Für Sander Kang De geht es heute auch um die Kraft des Verzeihens und darum, dass in dieser Welt nichts klar ist oder feststeht, weil sich alles verändert. An dem Tag, an dem der junge Mann seine Mutter wiedersieht, bleibt vielleicht nur ein Satz übrig: „Ich liebe dich!“. Sander Kang De war Unterstützer der ersten zentralasiatischen Bürgerrechtsgruppe für Mitglieder der LGBTQ+-Community. Seit vier Jahren lebt und arbeitet er nun in Deutschland.

Tomas Kildisius (Lithuania) – Picking red currants

Ein einfaches Haus inmitten der malerischen Landschaft um die litauische Kleinstadt Mȯletai. Oma und Opa leben dort von Frühjahr bis Herbst ein naturnahes Leben, etwa 1400 km entfernt von den Seminarräumen der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. An besonderen Tagen treffen sich drei Generationen am Tisch der Großeltern, um gesammelte Früchte zu verarbeiten, gemeinsam zu essen, zu feiern und über die Vergangenheit zu sprechen. Dabei blicken sie von der Gegenwart zurück auf die Gedanken der Menschen eines Landes, das 1990 nach mehr als vierzig Jahren seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Und die Gespräche führen noch weiter zurück, in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig steht der junge Bariton Tomas Kildisius am Anfang seiner Gesangskarriere, die Ausdruck einer verbindenden europäischen Existenz ist. Angesichts eines neuen europäischen Krieges die eigenen Familiengeschichten in sich zu tragen, alte und neue Musik dieses Kontinents in die Welt zu tragen, ist vielleicht die hoffnungsvolle und tröstliche Essenz dieses Werkes.

Anna Homan (Ukraine) – Empty space

Es ist ein Krieg. Gibt es so etwas wie eine Zukunft? Was ist „der Tisch“ für eine Person, die fliehen musste. die ihr Zuhause, ihre Erinnerungen, ihren „gedeckten“ Familientisch verlassen musste. Er ist jetzt leer. Selbst sie sitzt nicht mehr dort. Wie kann sie „den Tisch“ schaffen, ihn voll machen, ohne zu sein. Ist das überhaupt möglich? Sie geht zu ihrer dokumentierten Familiengeschichte, um zu sehen, wie der Tisch damals aussah. Um eine Antwort zu finden. Um Hilfe zu finden. Oder vielleicht Hoffnung. Hoffnung, indem sie ihre Großmutter fragt, wie sie ihren Tisch nach dem Krieg gestaltet hat. Wie man unter diesen Umständen glücklich sein kann.

Mariia Hryshchenko (Ukraine) „Christmas at war“

Wir sehen eine Wohnung. Eine lebendige Wohnung. Eine Wohnung voller Erinnerungen. Wir sehen einen Tisch. Einen Tisch, der sich mit jeder Kameraeinstellung weiter füllt, bis wir am Ende ein Festmahl sehen. Wir sehen eine unvollständige Familie: Mutter, Tochter, Sohn und Schwiegertochter – der Vater wurde in den Krieg geschickt. Eine Familie, die zusammenkommt, um ein Festmahl zu feiern. Wir sehen eine Familie, die gemeinsam isst, trinkt und singt. Wir sehen die Familie, bis der Strom ausfällt und der Fliegeralarm ertönt. Mariia und Vladyslav Hryshchenko haben in diesem Werk Realitäten nachgestellt und wurden dabei von der Wirklichkeit überrascht. So zeigt dieses Werk eine einfache ukrainische Familie, die versucht, sich daran zu erinnern, wie sie früher Weihnachten gefeiert hat, während draußen der Krieg tobt.

Vladyslava Kolsnyk, Olga Melnyk, Zoia Volk Domaskina (Ukraine) – Ukranian Hygge

Deutschland. Winter 2022-2023. Es ist 9 Jahre her, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist und ein Jahr seit dem Beginn des großen Krieges. Es ist 1 Jahr des russisch-ukrainischen Krieges. Eine Frau nimmt in ihrer Mietwohnung ein Video für YouTube auf, in dem sie zeigt, wie man eine Grabenkerze für die Soldaten an der Front herstellt. Während sie dieses Video aufnimmt, spricht sie mit ihrem Bruder, der vor ihr sitzt. Das Kerzenziehen ist für sie wie eine Meditation, sie hat es schon tausendmal gemacht und schließlich beschlossen, ein ausführliches Video für Leute aufzunehmen, die lernen wollen, wie man es macht. Die gemütliche Atmosphäre ermutigt sie, das mitzuteilen, was ihr im Moment am meisten weh tut.

Vladyslav Kalinichenko (Ukraine) – Trinity

Das Werk von Wladyslaw Kalinitschenko besteht aus drei Teilen, von denen jeder seine eigene Bedeutung und Botschaft hat. Im ersten Teil geht es um seine Heimat und seine Familie – ein Ausdruck der kriegsbedingten Trennung. Der zweite Teil zeigt ihn allein auf der Bühne des Theaters, in dem er seit über 15 Jahren arbeitet. Ein Ausdruck seiner Art, der Trennung zu widerstehen.  Aushalten. Im dritten Teil sehen wir ihn festsitzen – an einer Klippe. Ausdruck eines starken Lebenswillens.  Der entscheidende Schritt. Vladyslav Kalinichenko wollte einen Film über die Kraft des Geistes machen.  Über den Glauben an eine glückliche Zukunft.  Über den Willen und die Freiheit. Über die Familie.  Über Einigkeit. Über Körper, Geist und Seele. Und über die Harmonie, wenn alle diese Komponenten in einer Synthese zusammenwirken.

Alexander Steindorf (Germany) – Lost at home

(Live Performance)

Lost at home ist ein Videokunstprojekt über einen einsamen alten Mann, der am Tisch seines Raumschiffs sitzt, das seit zwei Jahren zu einem unbekannten Ziel unterwegs ist. Das Raumschiff wurde so gebaut, dass es genau wie sein Zuhause aussieht, was er selbst sehr beeindruckend findet und worüber er sich ständig wundert. Er geht einer täglichen Routine nach: Pflege und Wartung des Raumschiffs, Essenszubereitung und er philosophiert über seinen Flug, die Möglichkeiten der Raumschiffbauer und das, was er zurückgelassen hat. Er ist umgeben von Bildern und Videobildschirmen seiner Familie, die er sich oft ansieht. Seine Tochter ist die einzige Person, die regelmäßig per Video direkt mit ihm kommuniziert. Sie versucht, ihren Vater zu ermutigen, seine Wohnung zu verlassen, in die er sich eingeschlossen hat. Mit seinen Gedanken konterkariert dieser Mann die Ereignisse der letzten Jahre vor dem Hintergrund, dass er die Realität in einem permanenten Zustand der Überforderung völlig ausgeblendet hat. Den Debatten von Corona über den Klimawandel bis hin zum Krieg steht ein Mann gegenüber, der sich entscheiden muss, ob er sich allem verweigert und sich dabei letztlich verliert.

Aurélia Moynot (France) – The Shelter

Meine gemütlichsten Verstecke habe ich unter Tischen gebaut. Gut verborgen in meinen flüchtigen Stoffhütten wurde der Tisch zur Höhle meiner Kindheitsträume. Dort war ich mitten im Familienleben, aber dennoch in einem Kokon – viel besser als direkt am Tisch, wo die großen Familienfragen und aktuellen Themen diskutiert wurden. In meiner Familie gab es weder Fernsehen noch Radio. Nur die Zeitung war erlaubt, und die Mahlzeiten, die stets am selben Holztisch eingenommen wurden, waren der Ort aller Debatten und mehr oder weniger glücklichen Familienaussprachen. Vielleicht wollte ich dem entkommen, – vielleicht schlief ich deshalb so oft am Tisch ein und zog den Platz darunter dem darüber vor.